Gerade in den letzten 12 Monaten ist in der Welt der mobilen Applikationen und Dienste kein Stein auf dem anderen geblieben. Mobile Apps befinden sich massiv auf dem Vormarsch. Daran gemessen könnte man rasch ableiten, dass Mobile Apps einer totalen Dominanz entgegengehen, während das Mobile Web mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Aber ist das auch so?
Werfen wir einen kurzen Blick zurück und betrachten wir die Situation vor einem Jahr. Das iPhone mit dem App Store war Platzhirsch und nahezu allein vertreten auf weiter Flur. Android war vorhanden, aber nicht wirklich viele Personen kümmerte dies. Auch GetJar war nicht wirklich bekannt. Wenn also zu diesem Zeitpunkt ein “Marketeer” oder ein Brand Manager eine mobile Applikation wollte, so verlangte er zu 100% nach einer iPhone App. Illustriert stellte sich das Framework an Alternativen zu diesem Zeitpunkt etwa so dar:

Zurück im Heute präsentiert sich dem interessierten Betrachter ein komplett anderes Bild. Geräte mit dem Android Betriebssystem sind eine valide Option zu Apples iPhone. “The Nielsen Company” hat in ihrem Blog eine Statistik veröffentlicht aus der hervorgeht, dass Android bei amerikanischen Usern das beliebteste Betriebssystem war – bei neugekauften Geräten in der Zeit zwischen Jänner 2010 – August 2010. Hält dieser Trend also nun noch eine Weile an, so gibt es logischer Weise bald mehr Android Telefone, als iPhones. Zusätzliche Komplexität bekommt der Zustand wenn man miteinbezieht, dass Samsung ein eigenes Smartphone OS vorgestellt hat namens Bada und Microsoft sein neues OS Windows Phone 7 auch noch in diesem Jahr präsentieren wird. Auch Nokia sollte nicht ausser Acht gelassen werden. Nokia ist weiterhin Market Leader bei Smarphones.
Apple selbst hat 2010 mit dem iPad und dem iPhone 4 selbst 2 neue Geräte vorgestellt, die eine individuelle Anpassung von Apps notwendig machen. Sowohl das iPad, aber auch das iPhone 4 unterscheiden sich z.B. in der Displaygrösse von den davorgegangenen 3 iPhone Varianten.
Heute präsentiert sich also das Framework in etwa so:

In den letzten Monaten war der App Developer gezwungen, wesentlich mehr Fragen und Richtungen mit dem Kunden zu erörtern. Wohin soll die Reise gehen? Soll es eine Android Version der App auch geben? Android – als OS Basis – sollte die erste Option zum iOS bilden, da es höchstwahrscheinlich das verbreitetste System sein wird. Aber auch hier ergibt sich ein Haken: Android findet man auf den vielen unterschiedlichen Endgeräten, das wieder zu einer heterogenen Struktur der Spezifikationen führt. Denkt man darüber hinaus auch noch eine Version für das iPad, das Windows Phone 7, vielleicht auch noch Nokia, steigt der Aufwand plötzlich enorm. Auch hier soll nicht vergessen werden, auf die Systeme Windows, Symbian, RIM (Blackberry) oder Bada hinzuweisen.
Die gestiegenen Ressourcen setzen sich fort, wenn man an die Wartung von 3 – oder mehreren - verschiedenen Apps denkt.
In diesem Zusammenhang bieten sich Web Apps geradezu an. Gutgemachte mobile Websites sind in einigen Fällen von nativen Apps nicht mehr zu unterscheiden. Zum Beispiel sind die mobile Web Versionen von Facebook und TripAdvisor in ihrem Look & Feel von nativen Apps nicht mehr zu unterscheiden. TripAdvisor bindet in ihrem Tool auch gerätespezifische Funktionen wie z.B. die GPS Funktion ein.
Der Erfolg von Apples System der Apps und dem App Store hat wesentlich dazu beigetragen, andere Player auf den Plan zu rufen und durch die fortwährende Abkapselung des Systems die Entwicklung von Alternativen forciert. Man könnte geneigt sein zu sagen, dass Apple – das konstant Marktanteile verliert – ein Opfer seines eigenen Erfolgs geworden ist.
Wir werden mobile Native Apps noch in vielen Jahren sehen. Vermutlich werden speziell Spiele immer im Native Apps Bereich zu finden sein. Generell kann aber gesagt werden, dass deren Dominanz gebrochen ist und es innerhalb kurzer Zeit auch zu einem Wechsel kommen wird: Bisherige Native Apps werden durch mobile Web Apps abgelöst werden.
Mobile Native Apps und App Stores sind heute lediglich eine Überbrückungshilfe – vergleichbar mit Stützrädern für das Mobile Web. Es ist nun an der Zeit, die Stützräder zu demontieren.
Das englische Original des Artikels wurde von Ronin Cremin von dotMobi im mobiForge Blog verfasst.